Überall in den Medien kann man lesen, dass ein neues Gesetz eingeführt werden soll: Das Gesetz zur Sperrung kinderpornografischer Seiten im Internet. Was im ersten Moment vielleicht gut klingen mag, entpuppt sich aber bei näherem Hinsehen als völlige Sinnlosigkeit.
Kurz ausgedrückt: Mittels der eingesetzten Technik würde der Aufruf von Seiten nur minimal erschwert, keinesfalls aber verhindert werden. Die Kinderporno-Seiten wären immer noch da, nur muss man dann eine Zahl in die Adressleiste des Browsers eingeben, statt einer normalen Adresse, einer URL.
Gleichzeitig wäre dieses Gesetz der Anfang einer Zensur des Internets. Was konkret gesperrt werden würde, wüssten nur ein paar Damen und Herren der Regierung. Jetzt fängt es mit Porno-Seiten an, irgendwann werden systemkritische Meinungen gesperrt - ohne dass wir es mitbekommen. China macht es ja vor.
Da mittlerweile immer mehr Leute einsehen, dass dieses Gesetz nicht die Grundlage der Kinderpornografie beseitigt, sondern nur den Aufruf etwas erschwert und dass dieses Gesetz der Anfang der staatlichen Zensur im Internet ist, wurde eine Petition erstellt: Petition: Internet - Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten. Die Unterzeichner möchten, dass der Kinderpornografie im Internet die Grundlage entzogen wird, so dass sie komplett entfernt wird und nicht - wie es das Gesetz vorsieht - der Zugang dazu etwas erschwert wird.
Man muss bei der ganzen Sache beachten:
Die Sperrung von Kinderpornograhie-Seiten bedeutet, dass man nur ein Betttuch davor hängt, um es nicht mehr zu sehen.
Die Kinder werden aber immer noch missbraucht!
Selbst das nicht unbekannte LG Hamburg sieht das so: LG Hamburg bestätigt Wirkungslosigkeit von DNS-Sperren
Nun berichtet WELT ONLINE von einer Infratest Dimap-Studie (Oder Umfrage? - Das wissen die anscheinend nicht genau). Darin wird berichtet, dass 92 Prozent der Deutschen für eine Kinderpornosperre wären. Hm, 92 Prozent der Deutschen wollen nur eine Sperre - nicht aber, dass die Kinderpornografie verschwindet? Das kann ich mir nicht vorstellen.
Oder wurden die Leute nur rhetorisch und suggerierend gefragt, ob sie eine Sperre dieser Seite möchten? Wurde ihnen zur Befragung keine Möglichkeit gegeben, sich erst zu informieren? Wurden sie überhaupt über die Zusammenhänge aufgeklärt? Wurden da Leute befragt, die sich freuen, dass sie gerade mal eine E-Mail erstellen können? Keine Ahnung. Die Hintergründe werden in dem WELT-Bericht nicht genannt. Diese unreflektierte Darstellung in der Meldung zeigt mir, was ich von dieser Zeitung zu halten habe.
Auch der Chef der umstrittenen Kinderhilfe (eine Suche per Google bringt viele interessante Informationen dazu), Georg Ehrmann, meldet sich in dem Artikel zu Wort:
„Das Ergebnis der Umfrage bestätigt meinen Eindruck, dass es sich bei den Unterschreibern der Online-Petition um Internetliebhaber, Blogger, im Grunde also um eine Minderheit handelt wenn auch eine gut organisierte.“Also sind die Unterzeichner - also die Leute, die den Zugang zu diesen Seiten nicht nur erschweren, sondern sie ganz weg haben möchten - eine Minderheit, Internetliebhaber, Blogger?
Und ein Zitat aus dem WELT-Artikel:
Die Kinderhilfe sieht die Unterschriften gegen eine Sperrung daher als Ergebnis wirksamer Lobbyarbeit.Was denn - wir, die den Zugang nicht nur erschweren möchten, sondern die wir ganz gegen die Seiten sind, sind Lobbyisten? Wenn das so ist, kann ich nur zu dem Schluss kommen:
Die Deutsche Kinderhilfe möchte den Zugang zu kinderpornografischen Seiten nur erschweren, die Seiten selbst aber erhalten. Kinder werden weiterhin für diese Seiten gequält, weil die Seiten bleiben sollen.
Die Deutsche Kinderhilfe möchte ein Betttuch vor das Elend hängen, damit man es nicht mehr sieht, statt das Elend gleich richtig zu beseitigen. Und das ist ein Verein, der sich „Kinderhilfe“ nennt.
Und WELT ONLINE bietet dem noch eine Plattform, ohne die Zusammenhänge darzustellen. Solch einen Journalismus brauche ich nicht.
Zu dem Artikel in der WELT konnte/kann man übrigens Kommentare verfassen. Ich tat dies und wies darauf hin, dass selbst das LG Hamburg die Wirkungslosigkeit von Internetsperren bestätigt hat. Nach einer Weile war mein Kommentar aber weg. Ich erstellte ihn neu und wies darauf hin, dass ich einen Screenshot anfertige - und prompt war der Kommentar auch wieder weg.
Also ist klar - die WELT löscht ernsthafte Kommentare, wenn diese nicht in ihr Bild passen. Eine Umfragemöglichkeit wurde wohl auch schon deaktiviert, weil sie nicht der Meinung der WELT entsprachen - dies weiß ich aber auch nur aus anderen Kommentaren.
Und das habe ich auch noch entdeckt: Weltbearbeitung gescheitert
Hier der Screenshot der Website der WELT mit meinem Kommentar:
Quelle der Grafik oben links: http://vdl.odem.org/